Langsam steigen die Temperaturen und der Frühling hält Einzug. Neben dem Duft der ersten Blumen, welche die Landschaft wieder bunt färben, erfüllt auch wieder das Singen zahlreicher Vögel die Luft. Vielerorts beginnen sie bereits damit, Nester zu bauen und ihre Reviere zu verteidigen. Die Brutsaison steht kurz bevor und mit ihr eine besonders sensible Zeit im Jahreslauf vieler Vogelarten. Doch welche Rolle spielen wir Menschen in dieser Phase und wie können wir die Tiere unterstützen, ohne ihnen ungewollt zu schaden? Start der Brutsaison Abhängig von vielen Faktoren wie Wettereinfluss im Brutgebiet, Bedingungen auf der Flugroute von Mittel- und Langstreckenziehern oder der Nahrungsverfügbarkeit beginnt die Brutsaison für manche Vögel bereits sehr zeitig im Jahr. Darunter finden sich Individuen, bei denen mitunter im Februar mit Nachwuchs gerechnet werden kann. Im urbanen Raum konnten Bruten von Waldkäuzen bei sehr guten Bedingungen bereits im Dezember nachgewiesen werden. Andere Arten, wie die Kohlmeise, die ganzjährig in Österreich lebt, legen ein paar Monate später die ersten Eier.In Bezug auf die Nistplatzwahl kann es ein klarer Vorteil sein, unter den ersten im Brutgebiet anzukommen oder sogar das ganze Jahr am gleichen Ort zu verbringen. Die Chance ist dadurch größer, einen der besten Nistplätze zu ergattern, bevor auch die Zugvögel heimkehren und um geeignete Brutplätze konkurrieren. Doch auch der beste Brutplatz nützt wenig, wenn die Eiablage zu früh im Jahr erfolgt und die Jungen entsprechend früh schlüpfen. Das Risiko einer mangelnden Nahrungsverfügbarkeit ist dann sehr hoch, besonders bei Insekten, die bei kalten Temperaturen weder fliegen noch schlüpfen.Zusätzlich ausgelegtes Futter an Futterstellen hilft Jungvögeln meist nicht. Herkömmliches Wintervogelfutter ist für sie ungeeignet und kann sogar gefährlich sein, denn Jungvögel benötigen eiweißreiche Nahrung wie Insekten und Larven, die von ihren Eltern herangeschafft werden. Hinzu kommt ein erhöhter Energiebedarf durch kalte Außentemperaturen, der zusätzlich ausgeglichen werden muss.So gilt es für viele Arten, die ganz unterschiedliche Ansprüche an die Bedingungen während der Jungenaufzucht stellen, den optimalen Zeitpunkt für Paarung, Nestbau und Eiablage abzupassen, um möglichst viele Jungtiere erfolgreich aufzuziehen. © Zitas Schneider / stadtwildtiere österreich Nestling vs. Ästling Je nach Alter und Entwicklung unterscheidet man zwischen Nestlingen und Ästlingen. Wie der Name bereits vermuten lässt, sind Nestlinge Jungvögel, die sich im Nest befinden und weitgehend zur Gruppe der Nesthocker zählen. Diese Tiere sind vollständig auf die Bereitstellung von Nahrung und Wärme durch die Altvögel angewiesen. In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen verhalten sie sich sehr ruhig und unauffällig. Erst im Laufe der Entwicklung werden sie zunehmend mobiler und mutiger, weshalb es durchaus passieren kann, dass ein kleiner Vogel aus dem Nest fällt. In diesem Fall besteht durchaus Handlungsbedarf, denn außerhalb des Nestes wird er von seinen Eltern weder gefüttert noch gewärmt.Ästlinge sind hingegen bereits etwas älter und halten sich im Nahbereich des Nestes auf. In dieser Phase der Entwicklung werden die ersten kurzen Flüge unternommen und die Muskulatur trainiert. Oft sieht man sie auf einem Ast oder am Boden sitzen, wo sie weiterhin von den Eltern versorgt werden, da sie sich noch nicht vollständig selbstständig ernähren können. Durch laute Rufe bleiben sie stets mit den Altvögeln in Kontakt, was unter Umständen auch Feinde anlocken kann. Droht Gefahr, bleiben Ästlinge meist reglos sitzen oder ducken sich und vertrauen auf den Schutz ihres gut getarnten Federkleides. © Richard Zink Junger Habichtskauz Wann ist Hilfe notwendig Vogelarten, die ihre Nester in exponierter Lage in Felswänden errichten oder alternativ auf Gebäude ausweichen, wie zum Beispiel Mauersegler oder Schwalbenarten, aber auch Falken und andere Gebäudebrüter, verlassen ihre Nester als Jungtiere erst im flugfähigen Zustand. Durch extreme Hitze gezwungen springen ihre Jungen jedoch manchmal vorzeitig aus den Nestern und landen dann auf Gehsteigen oder sogar auf der Fahrbahn, wo sie verhungern oder durch andere Umstände umkommen können. In den letzten Sommermonaten kam es auch immer wieder vor, dass ganze Schwalbennester aufgrund der hohen Temperaturen von Gebäuden abfielen und die Jungvögel hilflos am Boden lagen. Findet man im urbanen Bereich solche hilflosen Jungtiere, ist ihre Bergung gerechtfertigt und notwendig.Die kleine, unbeholfene und noch nicht flugfähige Jungamsel im Garten, der hüpfende Jungspatz auf der Terrasse oder die nur flatternde Jungmeise im Gebüsch benötigen unsere Hilfe in der Regel jedoch nicht. Sie sollten unbedingt in ihrem Familienverband belassen werden. Auch wenn die Gefahr der Erbeutung durch die Katze des Nachbarn oder den eigenen Hund, durch Krähen im nahen Park oder durch Steinmarder, Fuchs oder Waldkauz in der Nacht besteht, ist das kein Grund und keine Rechtfertigung, in natürliche Vorgänge einzugreifen.Hilfe benötigen hingegen Jungtiere, deren Eltern nachweislich umgekommen sind oder durch Verletzungen ausgefallen sind, sowie kleine, noch kaum befiederte Nestlinge, die unterkühlt am Boden liegen. Das kann zum Beispiel durch Nestraub durch Eichhörnchen, Krähenvögel oder Spechte, durch innerartliche Auseinandersetzungen, durch Gartenarbeiten wie Strauchschnitt oder auch durch Erkrankungen kleiner Nestlinge passieren.Professionelle Pflege ist in allen Fällen, in denen eine Bergung notwendig ist, unbedingt erforderlich. Die Temperatur und speziellen Futteransprüche von Wildtieren sind sehr hoch und können in der Regel auch durch noch so bemühte Laien nicht erfüllt werden. Zu beachten ist außerdem der gesetzliche Schutz der Wildtiere, der eine Aufnahme ausschließlich aus Tierschutzgründen und nur vorübergehend erlaubt. © EGS Archiv Gerettete Mauersegler in der Greifvogelstation Haringsee. Wie kann man indirekt helfen Wer Vögel während der Brutzeit unterstützen möchte, kann bereits mit einfachen Maßnahmen viel bewirken. Das Aufhängen von artgerechten Nistkästen, etwa für Meisen oder Spatzen, schafft zusätzliche Brutplätze, besonders in Städten und Gärten mit wenigen natürlichen Höhlen. Besonders wichtig ist es außerdem, Brutplätze und Rückzugsorte zu erhalten. Der verbreitete Drang, Hecken, Bäume und Sträucher im Frühling zu stutzen, zurückzuschneiden oder gar zu entfernen, kann schwerwiegende Folgen für unsere Gartenvögel haben. Durch diese Art der Pflege verlieren Vögel nicht nur Rückzugs- und Brutorte, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für Jungvögel.Eine weitere gut gemeinte Aktion kann für viele Jungvögel zur Gefahr werden: Tierhaare. Wenn Hundebesitzer ihre Tiere in Parks oder Wäldern bürsten und das ausgekämmte Fell zurücklassen, geschieht das oft in der Annahme, Vögeln damit Nistmaterial bereitzustellen. Tatsächlich kann dies jedoch fatale Folgen haben. Lange Hunde oder Katzenhaare können sich im Nest um Beine, Flügel oder sogar den Hals der Jungvögel wickeln und so zu Verletzungen oder im schlimmsten Fall zum Abschnüren von Gliedmaßen führen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Parasiten wie Zecken, Milben oder Flöhe übertragen werden. Auch Rückstände von Parasitenmitteln aus früheren Behandlungen können über das Fell in die Nester gelangen und den Jungvögeln schaden.Während der Brutzeit haben Altvögel einen besonders hohen Energiebedarf. Eine maßvolle Zufütterung kann daher sinnvoll sein. Jungvögel benötigen jedoch vor allem eiweißreiche Nahrung wie Insekten und Larven. Ein insektenfreundlicher Garten ist daher oft hilfreicher als dauerhaftes Füttern. Wichtig ist außerdem eine gute Hygiene an Futterstellen, um Krankheiten zu vermeiden.Auch Fensterscheiben dürfen nicht unterschätzt werden. Große Glasscheiben stellen für Vögel häufig eine Gefahr dar, da sie Glas oft nicht als Hindernis erkennen. Spiegelungen von Himmel, Bäumen oder Sträuchern lassen die Scheibe wie freien Flugraum wirken, was immer wieder zu Kollisionen führt. Die bekannten Greifvogel Silhouetten Sticker bieten dabei meist nur begrenzten Schutz, da Vögel sie nicht dauerhaft als Bedrohung wahrnehmen. Wirksamer sind flächendeckende Markierungen auf der Scheibe, etwa in Form von Linien, Punkten oder Streifen. Dabei gilt die sogenannte Handflächenregel. Die Abstände zwischen den Markierungen sollten nicht größer als eine Handbreit sein, damit Vögel keine vermeintlichen Durchfluglücken erkennen. Wichtig ist außerdem, dass solche Markierungen auf der Außenseite der Scheibe angebracht werden, um Spiegelungen zu reduzieren. Als einfache und kostengünstige Lösungen eignen sich beispielsweise Fliegengitter, Schnurvorhänge aus Kordeln, Fensterfarben oder milchige Klebestreifen. Auch Gardinen, Rollos oder Jalousien auf der Innenseite helfen zusätzlich, Fenster für Vögel besser sichtbar zu machen und so Kollisionen zu vermeiden. Zu diesem Thema erschien 2020 auch ein Beitrag in unserem Standard Blog Wilde Nachbarn. Hier geht's zum Blog "Gefiederte Findelkinder in der Natur" © Ted / Flickr